27.05.05
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Einer dieser Tage


Humoristische Ode an Geburtstage

23:57 Uhr in einem kleinen Ferienhaus.
Den ganzen Tag habe ich nicht daran gedacht, was in 3 Minuten passiert. Warum auch, es ist ja nach all der Zeit nichts besonderes mehr. Man ist ja schließlich auch zum Weihnachtsfest eher ernüchtert...anders einst, als Kind, welches dem Tag entgegenfiebert.
Nach den Reinfällen der letzten Jahre, irgendwas ging immer schief, hatte ich nun einen gar erlauchten Kreis lieber Menschen um mich geschart...zwei an der Zahl. Diesmal sollte der Tag zumindest einen gewissen Zauber haben.

"Wie spät ist es eigentlich?" frage ich fern jedes Zeitgefühls. "Drei Minuten hast du noch!" kommt in vorfreudiger Erwartung zur Antwort, als würde sich nach eben jenen Minuten das Schwert des Damokles senken.
"Drei Minuten? Ohwei und ich muß doch unbedingt nochmal in die Fliesenabteilung..." ich renne gegen die Uhr. Man versammelt sich, den Countdown einzählend vor der Toilettentüre...ich bangend, daß ich die Hosen hoch habe bevor sie das Bad stürmen. Gerade noch die Hände gewaschen, die gute Erziehung ist schließlich noch nicht allzu lange her, beginnt es vor der Tür zu singen.
Man gratuliert mir, erwähnt das viertel Jahrhundert so häufig und betont, als wäre ich Teil jener Bevölkerung, die noch auf Rentenzahlungen hoffen darf. Als liebenswerte Geste erhalte ich einen Schachtelkranz, säuberlich aufgereiht für die "Alte Schachtel". Doch so alt fühle ich mich gar nicht. Ich sehe mich eher als Spross, der gerade erst beginnt sich zu entfalten.

Zaghaft kommt es zur ersten Telefonaudienz mit dem Liebsten, der nicht dabei sein konnte, und irgendwie hoffe ich doch, daß es eine von vielen an diesem Tag ist, daß gar viele liebe Menschen der "Alten Schachtel" gedenken.
Das Telefon meldet eine SMS. Doch wartet hier kein Glückwunsch, sondern das Flehen einer vergangenen Beziehung um Koversation und Smalltalk. Gut, daß ich nicht derart lang mit diesem verbandelt war, daß er sich meinen Geburtstag hätte merken können. Einen Moment lang bin ich versucht eine gar zynische Mitteilung zu schicken, fühle mich noch nicht reif genug um schnöde drüber weg zu sehen....doch lasse ich es.

Auf nachmittaglichem Geburtstags-Heimaturlaub. Mutter stürzt in meine Arme. "Kind, vor 25 Jahren...." und gräbt wie jedes Jahr die Torturen meiner Geburt aus. "Damals, als ich gerade 25 war, galt ich schon als Spätgebärende...damals war ich schon Mutter, hatte mit deinem Vater ein Haus gebaut." sinniert sie über ihre Jugend. "Ja Mutter, aber ich bin dafür definitiv noch zu jung, ich muß das noch nicht haben." "Wenn wir damals so gedacht hätten..." "...dann wäre ich heute nicht 25 geworden, ich weiß Mutter."
Ich mag diese Gespräche mit meiner Mutter, stellen sie doch ein gewisses Ritual dar, auf welches ich jährlich hoffen und vertrauen kann. Als Krönung ziert meinen Geburtstagsstrauß dieses Jahr eine silberne 25. Gar als sei es ein Zeichen mit tiefgehender Bedeutung, als wäre es dringend nötig dieses Alter hervorzuheben...ähnlich einer alten Dame, die ihren 90. feiern darf.

Die restliche Familie tut ihr Übriges. Man redet über mich und meine Kindertage, als seien sie Jahrzehnte her, als würde es in zukunft nie wieder lustige Anekdoten geben. Und ich freue mich innerlich, daß ich noch derart jung und grün hinter den Ohren bin, daß ich mich auf meiner gutbesuchten Party ungestraft dem Alkohol und unverschämt lauter Musik hingeben kann...und es in meinem Mittzwanziger- bis Mittdreißiger-Freundeskreis nicht als grober Schnitzer gilt, wenn man sich am nächsten Tag nur noch an Bruchteile erinnern kann, sich unter Umständen bis auf die Knochen blamiert. Doch eben dieser Freundeskreis scheint mittlerweile zu dem von Demenz geprägten Alter zu gehören, daß nur ein winziger Kreis sich meines Geburtstages erinnert.

Die Einladung zur Party ist seit Wochen raus, wohlwissend, daß andere Leute meines Alters wichtigere Verpflichtungen haben, als sich des Lebens und der Jugend zu erfreuen. Beim Einkaufen für die Party, eben jene extra auf einen Samstag gelegt, schmunzle ich vor mich hin, überlege wer dieses Jahr den Anlaß als gegeben nimmt, seine bevorstehenden Vaterfreuden zu verkünden, wer sich dieses Jahr aus dem Schwur befreit, niemals heiraten zu wollen. Um eben diesen, den Abschied von der Unbeschwertheit so angenehm und süffisant wie möglich zu machen, füllt sich der Einkaufswagen zusehends, leert sich das Portemonnaie...und wieder die Freude, daß ich noch jung genug bin, mir um Windeln und eheliche Pflichten keinen Kopf machen zu müssen.

Alles ist pünktlich vorbereitet. Sonst nicht meine Stärke, aber gerade in der Jugend ist man ja noch lernfähig.
Es haben kaum Leute abgesagt und so stimme ich mich bei der guten alten "...And Justice for all" von Metallica auf eine rauschende Ballnacht ein...konnte ich wohl damals schon laufen?!
21:00Uhr....genau fünf Leute sind erschienen und das Telefon beschert mir minütlich Absagen. Meine Enttäuschung konnte ich noch nie sonderlich gut verbergen. Ich beginne noch beim Grillen darüber nachzudenken, was aus den Resten werden soll...ganz hausfräulich, wie es, zwar nicht nach meiner, aber nach Meinung der anderen, für mein Alter angemessen ist. Und so gebe ich mich, teils aus Frust, teils aus jugendlichem Leichtsinn dem Köstrizer und Jägermeister hin. Ich habe ja mit dem Essen eine gute Grundlage geschaffen... So weit ist es gekommen, ich denke schon darüber nach, wie ich die Wirkung des Alkohols austricksen kann.

Die Gäste, mit jedem Jahr verantwortungsbewußter, essen viel und trinken wenig. Nun finde ich mich als Einzige bevollrauscht auf einer lahmen Geburtstagsparty, wo Gracias 4 Punkte spektakulärer sind, als die zu feiernde Jugend. Den Gedanken, mich mit der geschenkten Strickjacke an den anheimelnden Ofen zu setzen, ein paar Socken zu stricken und ein gutes Tässchen Tee dazu zu trinken, verscheuche ich mit einem Jägermeister und einem Song von Led Zepplin.

Dunkel erinnere ich mich am nächsten Tag, daß der ganze Zauber um 1:30Uhr vorbei war, die fünf Hanseln gegangen...soetwas hätte es in meiner Jugend nicht gegeben. Keine Party endete vor dem Morgengrauen.
Irgendwie habe ich noch aufgeräumt und eine Stunde gebraucht um ins Bett zu kommen, da es doch mehr oder minder stark schwankte und sich der Besteigung entziehen wollte.
Der nächste Morgen, oh Graus. Mir tut fürchterlich der Kopf weh, mir ist erbärmlich schlecht und der Tod scheint fast das kleinere Übel. Nach Wasser und Aspirin finde ich mich über der Porzellanschüssel, flehend um ein Ende. Und langsam wird mir bewußt...sie haben wohl recht...ich bin zu alt für diesen Scheiß.

Zitat der Woche
 
Freundschaft. Es schlägt alles.
Auch die Liebe.
Freundschaft ist größer.
Weil es beides ist.

(Michel Birbæk)

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Fußball - Saison 2011/2012
 
2. Bundesliga - 12. Spieltag

1. SpVgg Greuther Fürth 29
2. Eintracht Frankfurt 28
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3. Fortuna Düsseldorf 28
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4. FC St. Pauli 25
5. SC Paderborn 07 22
6. Eintracht Braunschweig 19
7. 1. FC Union Berlin 18
8. FC Energie Cottbus 17
9. TSV 1860 München 16
10. SG Dynamo Dresden 14
11. FC Erzgebirge Aue 14
12. FSV Frankfurt 11
13. VfL Bochum 11
14. MSV Duisburg 9
15. F.C. Hansa Rostock 9
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16. Karlsruher SC 9
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17. Alemannia Aachen 8
18. FC Ingolstadt 04 8

Nächstes Spiel:
1. FC Union Berlin - FC St. Pauli

Fr. 28.10.11, 18:00 Uhr
 

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